Aus Alt mach Wert – REdesign und REuse-Produkte schaffen Perspektiven
Müll als wertvolles Material für lässige Designer-Produkte – ausgehend von dieser Idee entwickelte das grenzüberschreitende ETZ-Projekt Re:design[net]WORK neue Geschäftsfelder für sozialwirtschaftliche Betriebe in Österreich und der Slowakei. Die EU unterstützt dieses und das Nachfolgeprojekt REdesign PLUS zwischen Österreich und Ungarn mit insgesamt rund 1,2 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).

Bild: www.redesign-network.eu
Erfolgreiche Umsetzung des Pilotprojekts
Sieger des Ideenwettbewerbs 2010 war der „Fahnenbeutel“, ein Shopping Bag aus alten Fahnenstoffen der Designerin Maren Krämer. „Ein wirklich tolles Taschendesign – robust, leicht und widerstandsfähig“, schwärmt Silvia Mayer. Vom Entwurf bis zur Produktion in einem Wiener Unternehmen war es jedoch noch ein langer Weg. „Zuerst mussten wir herausfinden, wo das Material in welcher Qualität anfällt. Wo erhalten wir es günstig und schön? Es geht auch darum, die Materialien möglichst früh in einer möglichst guten Qualität zu bekommen“, beschreibt die Projektleiterin den Weg der Materialbeschaffung – nur eine der neuen Beschäftigungsmöglichkeiten in sozialwirtschaftlichen Betrieben neben Produktion und Vertrieb. Fündig wurde die Arge bei einem Fahnenproduzenten, der Verschnitte, Fehl- und Probedrucke jetzt bereits vor der Ausscheidung zum Müll an den Betrieb weitergibt.
Im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts Re:design[net]WORK – 382.500 Euro der Projektkosten von rund 690.000 Euro wurden aus den Brüsseler Fördertöpfen finanziert – blieb es zwar bei der Entwicklung und Umsetzung eines Pilotprodukts, für die weitere Zukunft wurde aber eine enorme Vorarbeit geleistet, wie Silvia Mayer betont. So gebe es nun einen umfangreichen Pool an hochwertigen, ansprechenden Designer-Produkt-Ideen, auf die sozialwirtschaftliche Betriebe zurückgreifen können. Zudem wurde ein Netzwerk zwischen rund zehn Betrieben und Designern aufgebaut. Angesichts der sehr schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in den sozialwirtschaftlichen Betrieben – „viele erhalten ihre Förderzusagen meist nur befristet auf ein Jahr, was einen sehr kurzen Planungshorizont ermöglicht“ – ist die Projektleiterin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Zudem habe man sich auf das Programmgebiet beschränken müssen.
Anschlussprojekt haucht Alt-Geräten neues Leben ein
Dieses wird mit dem im Jänner 2012 gestarteten Nachfolgeprojekt „REuse & REdesign plus“ um Ungarn, das Burgenland und die Oststeiermark erweitert. Bis Mitte 2014 soll hier an der Ausweitung der Geschäftsfelder REuse und REdesign gefeilt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit sozialwirtschaftlicher Betriebe zu steigern. Durch die Definition von Qualitätskriterien für REuse-Shops, Läden in denen reparierte und wiederaufbereitete Altgeräte verkauft werden, soll das „Schmuddel-Image“ abgelegt werden, so Projektleiterin Mayer. „Nicht nur sozial schwächere Schichten sollen angesprochen werden. Viele Geräte werden weggeworfen, obwohl man sie reparieren und noch länger weiter verwenden könnte“, will Mayer in dem mit rund einer Mio. Euro veranschlagten Projekt Alternativen zu gängigen Konsummustern aufzeigen. „Wir können in den Betrieben nur beschränkt Einfluss nehmen. Aber wir können Sensibilisieren und Impulse geben“, betont Silvia Mayer. Neben einem weiteren REdesign-Award im Herbst 2012 ist auch die Zusammenarbeit mit der FH Wien (Kompetenzzentrum für Enterpreneurship), auf Schiene. Entwickelt wird eine Qualifizierungsreihe für das Geschäftsfeld REdesign für sozialwirtschaftliche Betriebe von der Produktidee bis zur Markteinführung. Sozialwirtschaftliche Betriebe können als Teilnehmer an der Schulungsreihe REdesign-Ideen auf ihre Markttauglichkeit testen, diese weiterentwickeln, gegebenenfalls produzieren und vertreiben. Eine weitere passgenaue Unterstützung ergibt sich durch ein individuelles Coachingangebot im Rahmen des Projekts.
Knackpunkt: Nationale Kofinanzierung
Keine gröberen Probleme, jedoch Verbesserungsvorschläge, gibt es in Sachen Förderabwicklung. Weil man in der Arge bereits Erfahrung mit EU-Projekten habe, sei man mit den Abrechnungsmodalitäten vertraut. „Die Prüfungen werden aber immer strenger“, beobachtet die erfahrene Projektleiterin. Natürlich sei es wichtig, dass Missbrauch verhindert werde. Dass Kilometer aus der Abrechnung herausgestrichen werden, wenn man sich auf dem Weg zu einem Treffen verfährt, sei aber schon „ziemlich ärgerlich“. Mühsam sei auch, dass immer drei Angebote vorzulegen sind, auch wenn es nur um einfache Druckerpatronen gehe. „Oft wäre es zielführender, wir hätten ein bisschen weniger mit Administration zu tun und könnten mehr inhaltlich arbeiten“, wünscht sich Silvia Mayer. Zudem wäre eine Startfinanzierung in der Anfangsphase der Projekte vor allem für kleinere Betriebe hilfreich. „Oft kommt das erste Geld erst rückwirkend nach einem Jahr. Und Kreditzinsen sind natürlich nicht förderfähig“, gibt Mayer zu bedenken.
„Ein großes Problem ist es, an nationale Kofinanzierungsmittel zu kommen. Teilweise hat man den Eindruck, da bleiben EU-Gelder liegen, weil von den öffentlichen Stellen nichts zugeschossen wird“, gibt die Projektleiterin zu bedenken. In den Bundesländern sei die Situation noch etwas entspannter als in Wien. Weil in Wien keine kofinanzierende Stelle gefunden werden konnte, laufe auch das aktuelle Projekt „REuse & REdesign plus“ über eine Kofinanzierung durch den Grazer Verein ARGE Müllvermeidung.


















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