Auf der Spur des Geldes
Mehr als 646.000 Empfänger erhielten im Rahmenprogramm 2007 - 2013 bisher in den Mitgliedsstaaten Förderungen aus dem Topf der EU-Strukturmaßnahmen. Die Gelder fließen direkt in die Regionen und dort verliert sich oftmals die Spur. Dabei wurden erst kürzlich durch die Financial Times in Zusammenarbeit mit dem Bureau of Investigative Journalism in London zahlreiche Fälle von Betrug und Missbrauch aufgedeckt. Der hohen sechsstelligen Zahl der Förderempfänger stehen auf der anderen Seite lediglich 25 Betrugsbekämpfungsermittler und ein dichtes Netz der Bürokratie gegenüber.
Mehr als 646.000 Empfänger erhielten im Rahmenprogramm 2007 - 2013 bisher in den Mitgliedsstaaten Förderungen aus dem Topf der EU-Strukturmaßnahmen. Die Gelder fließen direkt in die Regionen und dort verliert sich oftmals die Spur. Dabei wurden erst kürzlich durch die Financial Times in Zusammenarbeit mit dem Bureau of Investigative Journalism in London zahlreiche Fälle von Betrug und Missbrauch aufgedeckt. Der hohen sechsstelligen Zahl der Förderempfänger stehen auf der anderen Seite lediglich 25 Betrugsbekämpfungsermittler und ein dichtes Netz der Bürokratie gegenüber.

Bild: aboutpixel.de © Ronald Leine
Die Strukturförderungen inkludieren den europäischen Regionalentwicklungsfonds, den Sozialfonds und den Kohäsionsfonds. Alle Mitgliedsstaaten müssen diese Förderungen durch ihr Budget kofinanzieren. Je reicher der Mitgliedsstaat, desto höher der Beitrag an Kofinanzierung. Ärmere Regionen erhalten die meiste Unterstützung aus den Strukturförderungen, jedoch haben alle Europäischen Regionen Anspruch auf Förderung unter den verschiedenen Programmen. Das Geld trägt bei die Entwicklung in den rückständigen Regionen hochzubringen, Regionen aus industriellem Niedergang herauszuholen, jungen Menschen und Langzeitarbeitslosen bei der Arbeitssuche zu helfen, die Landwirtschaft zu modernisieren und weniger bevorzugte ländliche Gebiete zu unterstützen. Förderungen gehen auch in die Forschung, schaffen nachhaltige Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, fördern den Umweltschutz und sind ein Beitrag zur Infrastruktur.
Der größte Fördertopf unter dem Schirm der Strukturförderungen ist mit 201 Milliarden Euro der Europäischen Regionalentwicklung gewidmet und dient dem Ausgleich der regionalen Unterschiede in der EU, mit Fokus auch im Bereich Umwelt, speziell für Projekte erneuerbarer Energien. Der Sozialfördertopf fokussiert mit 75 Milliarden auf die Verbesserung der Beschäftigungssituation in der EU. Der Kohäsionstopf mit einem Fördervolumen von 70 Milliarden Euro zielt auf die Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Verbindungen zwischen den EU Staaten ab. Er wird hauptsächlich zur Finanzierung von Verkehrsinfrastruktur und Umweltprojekten eingesetzt.
Geldverschwendung durch mangelnde Kontrolle
Der Bericht des Europäischen Rechnungshofes zeigt auf, dass Zahlungen mit großen Fehlern behaftet sind. Alleine 2009 belief sich der vermutete Betrug im Bereich der Strukturförderungen im Rahmen des EU-Budgets auf 109 Millionen Euro. Alles in allen hätten 700 Millionen Euro laut Rechnungshof nicht ausbezahlt werden dürfen. Das Kontrollsystem hat, wie sich vielfach zeigte, keine Effektivität und die Frage steht im Raum, ob die EU einen Überblick über das 347 Milliarden starke Strukturförderungsprogramm hat und sich die Steuerzahler sicher sein können, dass ihre Gelder umsichtig verteilt werden.
Überforderte Ermittler
Die Kommission selbst will das System vereinfachen und eine Balance zwischen administrativen Kosten und Fehlerrisiko finden. Derzeit sind die Strukturausgaben in einem komplexen, unkoordinierten Netz von Kontrollen auf nationaler, regionaler und Kommissionsebene gefangen. Vermutete Betrugsfälle werden an Olaf, die Antibetrugsbehörde der EU, herangetragen. Olaf selbst ist seit seiner Gründung anhaltender Kritik ausgesetzt und gilt als die Achilles-Ferse der EU im Kampf gegen Betrug und Missbrauch. 'Olaf ist wertlos', sagte Marta Andreasen, Mitglied des Europäischen Parlaments. Mit weniger als 20 Ermittlern im Bereich der Strukturförderungen, kann sich Olaf nur mit der Spitze des Eisberges beschäftigen und benötigt für die Bearbeitung der einzelnen Fälle zwischen neun Monaten und mehr als zwei Jahren! Das Problem beginnt zumeist schon bei den Berichten über 'Unregelmäßigkeiten' der Mitgliedsstaaten an Olaf und die Kommission. Im Jahr 2009 soll es fast 5000 solcher Fehler betreffend 1,2 Milliarden an Strukturförderungen gegeben haben. Dabei handelt es sich sowohl um Betrugsfälle als auch um Fälle der nicht ordnungsgemäßen Verwendung der Fördergelder. Olaf hat jedoch nicht die Kompetenz die herangetragenen Fälle juristisch zu verfolgen und hängt dabei in großem Maß davon ab, wie weit die lokalen Behörden dies weiterverfolgen.
Mittlerweile werden Zahlungen an regionale Entwicklungsprogramme blockiert, wenn die Kommission Zweifel an der Integrität hat. Selbst wenn Betrug oder Fehler das Budget betreffend aufgedeckt werden, kann die Rückholung des Geldes Jahre dauern. Werden Fehler aufgedeckt, zieht die Kommission den Betrag von der nächsten Zahlung an den Mitgliedsstaat ab. Während der letzten zwei Förderphasen wurden in diesem Sinn 8,4 Milliarden Euro in Abzug gebracht, davon alleine 2,5 Milliarden in Spanien. Aus dem Bericht des Rechnungshofes geht hervor, dass nur ein Bruchteil von falsch ausbezahlten EU Förderungen von Brüssel zurückgeholt wird. 'Viele Mitgliedsstaaten finden es billiger, eine kleine Strafe an die Kommission zu zahlen, als ein effektives Kontrollsystem für die Rückzahlung von EU-Förderungen zu installieren', so Ingeborg Grässle von der Christlich Demokratischen Union Deutschlands.
Mehr Transparenz für Förderungen
Der Europäischen Transparenzinitiative zufolge müssen Mitgliedsstaaten Details der Geldverteilung veröffentlichen. Wie die Staaten dieser Anforderung nachkommen ist höchst unterschiedlich. Erstaunlicherweise zählen die Slowakei und Polen zu den transparentesten Staaten. Bulgarien ist in dieser Statistik das Schlusslicht.
Ranking
| Country | Score | Rank |
|---|---|---|
| Slovakia | 95 | 1 |
| Finland | 82 | 2 |
| Poland | 82 | 2 |
| Estonia | 77 | 3 |
| Romania | 77 | 3 |
| Lithuania | 75 | 4 |
| Czech | 73 | 5 |
| Sweden | 73 | 5 |
| Greece | 72 | 6 |
| Malta | 72 | 6 |
| France | 70 | 7 |
| Slovenia | 70 | 7 |
| Netherlands | 67 | 8 |
| Cyprus | 62 | 9 |
| Luxembourg | 62 | 9 |
| Ireland | 60 | 10 |
| Denmark | 58 | 11 |
| Hungary | 55 | 12 |
| Portugal | 55 | 12 |
| Germany | 53 | 13 |
| Italy | 53 | 13 |
| Latvia | 52 | 14 |
| Austria | 47 | 15 |
| Spain | 45 | 16 |
| United Kingdom | 42 | 17 |
| Belgium | 42 | 17 |
| Bulgaria | 40 | 18 |
Data Content
| Country | All beneficiaries and subcontractors | Indicating currency | Co-financing rates | Only EU funded beneficiaries included | Iso_country | Score | Rank for data content |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Austria | 20 | 10 | 10 | 25 | AT | 65 | 7 |
| Belgium | 0 | 25 | 15 | 25 | BE | 65 | 7 |
| Bulgaria | 5 | 10 | 10 | 25 | BG | 50 | 10 |
| Cyprus | 15 | 20 | 10 | 25 | CY | 70 | 6 |
| Czech | 20 | 15 | 15 | 25 | CZ | 75 | 5 |
| Denmark | 20 | 15 | 10 | 25 | DK | 70 | 6 |
| Estonia | 20 | 25 | 15 | 25 | EE | 85 | 3 |
| Finland | 20 | 15 | 10 | 25 | FI | 70 | 6 |
| France | 15 | 25 | 20 | 25 | FR | 85 | 3 |
| Germany | 20 | 15 | 5 | 25 | DE | 65 | 7 |
| Greece | 20 | 25 | 10 | 25 | GR | 80 | 4 |
| Hungary | 20 | 20 | 15 | 25 | HU | 80 | 4 |
| Ireland | 10 | 20 | 5 | 25 | IE | 60 | 8 |
| Italy | 15 | 20 | 10 | 25 | IT | 70 | 6 |
| Latvia | 10 | 10 | 10 | 25 | LV | 55 | 9 |
| Lithuania | 20 | 25 | 25 | 25 | LT | 95 | 1 |
| Luxembourg | 15 | 20 | 0 | 25 | LU | 60 | 8 |
| Malta | 5 | 25 | 15 | 25 | MT | 70 | 6 |
| Netherlands | 0 | 25 | 25 | 25 | NL | 75 | 5 |
| Poland | 20 | 0 | 5 | 25 | PL | 50 | 10 |
| Portugal | 20 | 20 | 15 | 25 | PT | 80 | 4 |
| Romania | 20 | 25 | 20 | 25 | RO | 90 | 2 |
| Slovakia | 20 | 25 | 25 | 25 | SK | 95 | 1 |
| Slovenia | 5 | 25 | 25 | 25 | SL | 80 | 4 |
| Spain | 20 | 10 | 5 | 25 | ES | 60 | 8 |
| Sweden | 20 | 25 | 15 | 25 | SE | 85 | 3 |
| United Kingdom | 0 | 10 | 10 | 0 | UK | 20 | 11 |
Förderung von Luftprojekten
Wie ineffizient diese Kontrolle teilweise ist, lässt sich daraus ableiten, dass - sogar nach Einleitung der offiziellen Untersuchung und Feststellung durch die Dokumentation von Olaf, der Brüsseler Antibetrugseinheit, und eines Gerichtes in Rom, dass das Unternehmen Digitaleco nahe dem Konkurs und nicht in der Lage, die Produktion zu beginnen, war - Digitaleco auch 2005 noch über eine Million Euro an EU-Fördergeld durch die regionale Regierung in Kalabrien erhielt. Ein Manager von Digitaleco gab sich bei der Einvernahme im Jahr 2006 verwundert, dass die Fabrik des Unternehmens in Kalabrien von den Behörden als fertiggestellt bezeichnet wurde, obwohl diese kein Dach hatte und nicht an das Kanalsystem angeschlossen war.
Licht ins Dunkel - endlose Ermittlungen
Fakt ist: Jahre nach den gemeinsamen Italien-EU Ermittlungen ist der Fall von einer Aufklärung weit entfernt. Niemand wurde angeklagt und kein Cent an die EU zurückbezahlt. Trotz Polizeiaktionen von Kalabrien bis nach Rom, interner Brüsseler Ermittlungen wegen Machtmissbrauch von zwei italienischen Regierungsmitgliedern und Hausdurchsuchungen in einem Büro des Europäischen Parlaments in Straßburg und Fabriken in Frankreich.
EU-Förderungen für ein stärkeres Europa
Andere EU Zahlen zeigen auf, dass 8,4 Milliarden aus dem Strukturförderungsprogramm irrtümlich ausbezahlt wurden, wovon bisher 75 Prozent zurückgeholt werden konnten. Offizielle Ermittler vermuten, dass dutzende Millionen durch das organisierte Verbrechen, einschließlich der italienischen Mafia, abgesaugt wurden.
Die Europäische Kommission hat bereits eine öffentliche Beratung zur Reform ihrer Kohäsionspolitik angestrengt. Dazu soll es weniger Zielfördergebiete und striktere Leistungskontrollen geben. Einige Mitgliedsstaaten drängen die Kommission zukünftige Förderungen auf ärmere Länder zu verschieben. Die EU Stellen verteidigen die Kohäsionsausgaben als Mittel zur Realisierung eines der Kernziele der Organisation: Das Wirtschaftswachstum in Europas ärmeren Regionen anzukurbeln und Einkommensunterschiede zu verringern.
Lesen Sie zu dem Thema auf EU-Infothek auch unsere Serie über Korruptionsbekämpfung


















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