Samstag 25. Mai 2013, 09:48

Energie & Ressourcen

Atomkraft: 25 Milliarden Euro für Sicherheit

Deutsche Atomkraftwerke kommen beim Stresstest nicht gut weg. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung. Europaweit sind 25 Milliarden Euro erforderlich, um die aktuellen  Sicherheitsdefizite zu beseitigen. Dazu kommen gravierende Probleme bei der Endlagerung von Atommüll.

Atomkraft: 25 Milliarden Euro für Sicherheit
Atomkraft: 25 Milliarden Euro für Sicherheit
Bild: bayernernst/flickr.com
Schlechtes Ergebnis für die Atomkraftwerke: Bereits eine oberflächliche Analyse bringt  deutliche Sicherheitsdefizite der europäischen Anlagen zutage. Die Nachrüstung ist aufwendig und entsprechend teuer, die Verbesserung der bemängelten Sicherheitsaspekte bleibt dennoch eine fragwürdige Angelegenheit. Laut EU-Kommission sind die Erdbebenfrühwarnsysteme bei weitem nicht ausreichend. Die Umweltorganisationen bekritteln, dass der Schutz der Meiler vor Terroranschlägen komplett vernachlässigt wurde. Brüssel geht davon aus, dass 25 Milliarden Euro erforderlich sind, um die momentanen Sicherheitsdefizite zu beseitigen. Das lässt die europäische Energiewende in neuem  Licht erstrahlen: Angesichts der exorbitanten Kosten für die Nachrüstung bleibt jegliche Rentabilität der Meiler auf der Strecke, der schnelle Ausstieg aus der Kernkraft avanciert einmal mehr zum Hauptziel der Energiewende, es gilt, das atomare Risiko konsequent zu beenden.

Stresstest: Massive Sicherheitsmängel

Nach Tschernobyl wurden unzählige Sicherheitsmassnahmen beschlossen und vereinbart, doch Papier ist bekanntlich geduldig. In einigen Mitgliedstaaten kann man sich an die besagten Vereinbarungen in dieser Frage noch dumpf erinnern, doch die Umsetzung der erforderlichen Massnahmen steht vielfach noch aus. Praktisch alle Anlagen weisen teils gravierende Mängel auf. Während in Deutschland die  Erdbebenwarnsysteme als bekannte Schwachstelle gelten überrascht die Tatsache, dass es die sonst so korrekten Germanen mit den Leitlinien der IAEA im Falle schwerer Unfälle nicht so genau nehmen. Frankreich kommt erwartungsgemäß schlecht davon, ein weiteres Manko im System sind die enormen Abweichungen der Sicherheitsstandards in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten selbst.         

Stresstest bringt Betreiber ins Schwitzen

Die Spanier haben aus nachvollziehbaren Gründen sogar freiwillig auf die Laufzeitverlängerung des   Garoña-Schrottmeilers verzichtet, da bereits die Nachrüstung auf Minimalstandards jegliche Rentabilität mit einem Schlag zunichte gemacht hätte. Die belgischen AKWs sorgen mit unzähligen Rissen im Druckbehälter des Reaktors für ausgeprägtes Unwohlsein. Dieses dürfte dafür gesorgt haben, dass erst kürzlich zwei Meiler vom Netz gingen. Frankreich brilliert bereits aus Tradition mit einer besorgniserregenden Pannenstatistik, doch die Meiler kochen unbeirrt weiter. Interessant ist, dass die Stresstests viele der Mängel erst gar nicht erfassen konnten, da die Basics eigentlich als gegeben angenommen wurden, doch nicht einmal diese wurden erfüllt. Der Nachrüstbedarf ist enorm, und so ist es keineswegs verwunderlich, dass die Kommission die erforderlichen Massnahmen für Sicherheitsausstattungen mittelfristig auf beachtliche 25 Milliarden Euro kalkuliert.           

Widerstand in den Hochburgen der Kernkraft

Frankreich und Großbritannien gelten als Hochburgen der Kernkraft. Ausgerechnet diese Länder geben sich bei Sicherheitsfragen bedenklich reserviert. Energiekommissar G. Oettinger stieß mit seinen Experten für Sicherheitsbelange auf merklichen Widerstand, die Betreiber hatten sich energisch gegen die unabhängigen Experten gewehrt. Der Bericht des Kommissars soll noch in diesen Tagen präsentiert werden.  

Dauerbrenner Atommüll

Was verkochte Brennelemente betrifft, so ist keine Besserung in Sicht. Castoren schippern ausgediente Brennelemente durch die Lande, Zusammenstösse mit der Zivilbevölkerung stehen auf der Tagesordnung. Doch die Endlagerung  ist definitiv kein ausschließlich deutsches Thema, vielmehr handelt es sich um europaweite Probleme mit ausgesprochen hoher Dringlichkeit. Selbst in der bei Kernkraft ziemlich unauffälligen Schweiz wird verbissen nach einer tragfähigen Lösung für Atommüll gesucht. Einmal abgesehen davon, dass die Eidgenossen dank höchster Professionalität im Ungang mit Kernkraft das Wort Pannenstatistik lediglich aufgrund der Zwischenfälle in anderen Ländern kennen, arbeiten sie unaufhörlich an einem geeigneten Entsorgungsprogramm. Das aktuelle Programm der Tiefenlagerung reicht auch dort bei weitem nicht aus, es hagelt heftige Kritik aus den eigenen Reihen. Diese reicht von einseitiger Information der Bevölkerung bis hin zu schwerwiegenden fachlichen Mängel bei der Standortwahl der Lagerstätten. 

Reformbedarf bei der IAEA

Die latenten Schlagzeilen über Pannenserien bei Kernkraftwerken reichen aus, um die  Umweltorganisationen auf den Plan zu rufen. Diese orten hinter den aktuellen Statuen der IAEA einen akuten Reformbedarf, da diese einseitige Propaganda für Atomenergie betreibe, so Peter Weish, Forum Wissenschaft & Umwelt. Zudem kommt, dass gesundheitliche Strahlenfolgen verniedlicht und seriöse Untersuchungen von Zwischenfällen verhindert werden. Es fehlt an der erforderlichen Transparenz.

Von offizieller Seite gibt es dazu ein striktes Dementi – man ortet diesbezüglich keinerlei Handlungsbedarf. Alles ist unter Kontrolle.         


 




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