Atomausstieg: Nein Danke?
Die Energiewende könnte teurer werden als befürchtet. Über 2000 Jobs sollen alleine beim deutschen Energiekonzern RWE abgebaut werden, inoffiziell und hinter vorgehaltener Hand sollen es jedoch 5000 sein. Der AKW-Rückbau kommt auf geschätzte 17 Milliarden Euro. Altmeiers Altmeiler machen Kopfweh.

Bild: Björn Kietzmann/flickr.com
AKW-Rückbau: Viele Brennelemente, kaum Castoren
Der Rückbau von Kernkraftwerken ist eine profitable Angelegenheit. Das Umsatzpotenzial ist enorm, die deutschen Versorger stellen bis zu einer Milliarde Euro pro Kernkraftwerk für den Rückbau zurück. Doch Insider befürchten, dass diese Summe nicht ausreichen dürfte, zumal es dafür an Erfahrungswerten fehlt, speziell im Bereich der größeren Anlagen. Die Rahmenbedingungen für den Rückbau sind katastrophal: Zu viele strahlende Brennelemente, zu wenig Castoren für den Abtransport und Engpässe, wohin man auch sieht. Und Schuldzuweisungen. Fehlende Genehmigungen werden als Ursache für den Mangel der Behälter genannt. Die Anteilseigner der Gesellschaft, welche die Atommüllbehälter baut, sind die vier deutschen Atomkraftwerksbetreiber. Die Genehmigungen für 2013 stehen aus, und selbst bei der geplanten Erhöhung der Fertigungskapazitäten kann vor 2015 wohl kaum mit einem ernsthaften Rückbau der Meiler gerechnet werden.
Viele Worte. Nix Konkretes. Und kein Plan.
Wie es konkret weitergeht, ist offen. Vorerst und sichtlich auch um etwas Luft zu bekommen begnügt sich die Bundesregierung mit einer umfassenden Bestandsaufnahme, um eine Grundlage für einen Masterplan zu bekommen. Vorschläge gibt es bereits, ebenso eine kleine, sichtlich jedoch sehr vertraute Gemeinde professioneller Rückbauspezialisten wie die bundeseigene EWN ( Energiewerke Nord GmbH), mit reichlich und sichtlich strahlender Meilererfahrung, das Silber bleibt in der Familie. Überhaupt scheinen die Konzerne die Lust am Geschäft mit der Kernspalterei verloren zu haben. Vielmehr hoffen diese nun auf reichlich Schadenersatz, um die entgangenen Gewinne etwas leichter zu verdauen.
15 Milliarden Schadenersatz für Betreiber
Die aus Sicht der Konzerne verfassungswidrige Zwangsabschaltung der AKWs führt bei den Energiekonzernen ganz zwangsläufig zu enormen Verlusten. So darf es nicht verwundern, dass diese alle denkbaren Mittel ausschöpfen, um wirtschaftlich nicht ganz über zu bleiben. Kolportierte 15 Milliarden Euro wollen die Betreiber für die durch den Atomausstieg entstandenen Ausfälle. Seitens E.On kommt es aufgrund des Atomausstiegsgesetzes des Bundestages zu einer unzulässigen Enteignung, der Schaden wird auf mindestens 8 Millionen Euro beziffert. EnBW ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, verzichtet jedoch sichtlich zwangsläufig, weil aus formellen Gründen auf eine Klage. 98 Prozent des Unternehmens befinden sich in öffentlicher Hand, womit es an der erforderlichen Grundrechtsfähigkeit scheitert. Ungeachtet der ohnehin happigen Kosten für die Energiewende kommen jetzt noch die Schadensersatzforderungen der Konzerne dazu.
Jobs in Gefahr: Wer räumt auf?
Konzerne jammern wegen entgangener Gewinne und stellen Schadensersatzforderungen. Stellen werden abgebaut, neue Jobs entstehen. Denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass Kernkraftexperten über Nacht abgebaut werden. Alleine die Rückbauarbeiten sichern die Jobs auf Jahr hinweg, das Thema Atommüllentsorgung ist aufgrund der lästigen Halbwertszeiten ohnehin ein Kapitel für sich. Bedingt durch die langwierigen Verfahren wird es dadurch noch geraume Zeit genug zu tun geben, auch wenn es nur Aufräumarbeiten sind. Im Ausland geht es ohnehin munter weiter mit der Kernspalterei, die Angst um Jobs ist somit nur sehr bedingt begründet. Und dann gibt es ja noch zahlreiche Greenjobs, wie das Beispiel Österreich eindrucksvoll beweist. Doch diese sind an Nachhaltigkeit und Ökologisierung gebunden, was indirekt wiederum mit der Energiewende zu tun hat.
2022: Kernenergie soll Geschichte sein
Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien tanzen aus der Reihe. Während in Deutschland 2022 das endgültige Aus für Kernkraft kommt, machen diese EU-Staaten munter weiter mit der verpönten Kernspalterei. Doch als ob das nicht schlimm genug wäre, so ist sogar ein Begehren nach Subventionen zu vernehmen. Man hofft auf Brüssel. Dieses soll die Nukleartechnik salonfähig und damit endgültig subventionsfähig machen. Sowohl der Bau von Kraftwerken als auch der Verkauf von Strom könnten, so die Vorstellungen dieser Kandidaten, großzügig subventioniert werden.
Und während die deutsche Bundesregierung um den angekündigten Atomausstieg kämpft, vier EU-Staaten weiter auf Kernenergie setzen und zugleich auf Subventionen hoffen, bebt in Japan erneut die Erde und die Reaktoren gehen wieder ans Netz.


















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