Arme EU-Kommissare
Die veritablen Skandale, für die zwei rot-weiß-rote Zwerge im EU-Parlament gesorgt haben, verstärken die allgemeine Verunsicherung, ob die Kontrollmechanismen der Union ausreichend seien.

Bild: Europ. Union
Die in Brüssel viel gepriesene Transparenz ist bei den EU-Granden allerdings kaum gegeben. Okay, sie hatten bei ihrem Amtsantritt auf ein paar Blatt Papier, die teilweise händisch ausgefüllt wurden, über ihr vorhandenes Vermögen Auskunft zu erteilen. Doch das geschah in den meisten Fällen dermaßen lustlos, dass nicht nur eingefleischten Skeptikern alle möglichen blöden Gedanken kommen. Einige Kommissare, darunter der für Erweiterung und Nachbarschaftspolitik zuständige Tscheche Stefan Füle, besitzen nämlich laut diesen Angaben absolut nichts, nicht einmal eine Eigentumswohnung.
Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich bei den EU-Spitzenleuten durchwegs um Personen handelt, die eine interessante Karriere hinter sich und - etwa als Minister oder in anderen hochrangigen Funktionen - schon bisher nicht schlecht verdient haben. Die es folglich, insbesondere in den westlichen, aber durchaus auch in den Mitgliedsstaaten im Osten Europas, nicht nur zu beträchtlicher Reputation gebracht haben, sondern auch zu einer Art überdurchschnittlichem Wohlstand. Wenn sie jedoch am Höhepunkt ihrer Tätigkeit relativ blank da stehen und beispielsweise nur auf eine Eigentumswohnung verweisen können, kann wohl etwas nicht stimmen.

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Die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen scheinen vergleichsweise arme Schlucker zu sein: Abgesehen vom Italiener Antonio Tajani, dem Malteser John Dalli und der Irin Máire Geoghegan-Quinn, die ihr Erspartes bevorzugt in Grund und Boden angelegt haben, besitzen sie in der Regel bloß eine Eigentumswohnung, bisweilen auch ein Ferienhaus oder ein Grundstück - doch das ist auch schon alles. Selbst EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der immerhin ein Jahresbruttoeinkommen von 360.286 Euro bezieht, kann lediglich auf ein Appartement in Lissabon, eine Wohnung in Almada und eine Immobilie in Valpacos verweisen.
Von Aktien und sonstigen Wertpapieren hält der dreifache Vater, der immerhin Außenminister und Ministerpräsident Portugals gewesen ist, offenbar gar nichts. Wie Barroso, der bereits seit sechseinhalb Jahren als Mister Europa fungiert, sein Geld anlegt, ob er damit einen luxuriösen Lebenswandel finanziert, die Gage stets seiner Ehefrau vermacht oder seine Sprösslinge heftig unterstützt, muss jedenfalls gemäß seiner Selbstauskunft ein Geheimnis bleiben. Realitätsnäher wirkt da schon der Finanz-Striptease von Johannes Hahn: Der einstige Topmanager des Glückspielkonzerns Novomatic und spätere Wissenschaftsministers macht aus seinem Einfamilienhaus im Bezirk Horn, zwei Hausanteilen in Wien und einem Aktienportfolio im Wert von fast 390.000 Euro kein Geheimnis.
Als Alibiaktion indes dürfte u.a. die aus Luxemburg stammende EU-Vizepräsidentin und Justizkommissarin Viviane Reding die Offenlegung verstanden haben: Nach 30 Jahren gut bezahlter Tätigkeit in der Politik begnügte sie sich mit der lapidaren Feststellung, „Residences“ ausschließlich für den Familiengebrauch ihr Eigen zu nennen - sie sagte nicht einmal, wie viele.
Transparenz sieht jedenfalls anders aus. Die Union braucht daher einen strengeren Kontrollmechanismus: Ihre Spitzenleute sollten verpflichtet sein, regelmäßig - am besten jährlich - einen Überblick über ihre Vermögenssituation, übrigens inklusive Sparbücher, abzuliefern, der von ihrem Steuerberater testiert wurde. Das wäre zwar immer noch kein absolutes Wundermittel, das ihnen Unfehlbarkeit bescheinigt, aber zumindest eine vertrauensbildende Maßnahme, etwaige dumme Spekulationen um die weißen Westen der Kommissare einzudämmen. Die EU-BürgerInnen sollten sich nämlich nicht gefrotzelt fühlen.
Hier lesen Sie im Detail, wie reich bzw. arm die 27 EU-Kommissare laut eigenen Angaben sind:
| Kommissar | Ressort | Eigentums- wohnung(en) |
Häuser | Grundstücke | Aktien/Fonds1) |
|---|---|---|---|---|---|
| Andris Piebalgs (LV) | Entwicklung | nein | nein | nein | nein |
| Androulla Vassiliou (CY) | Bildung, Kultur& Jugend | ja | ja (3) | ja (4) | € 4.000.000 |
| Antonio Tajani (I) | Vizepräsident, Unternehmen und Industrie | ja (2) | ja | ja | € 23.758 |
| Algirdas Šemeta (LT) | Steuern, Zollunion & Betrugsbekämpfung | ja (2) | ja (2) | nein | nein |
| Catherine Ashton (GB) | Vizepräsidentin, Außen- und Sicherheitspolitik | ja | ja | nein | nein |
| Cecilia Malmström (S) | Inneres | nein | ja | nein | € 30.650 |
| Connie Hedegaard (DK) | Klimaschutz | ja (2) | ja | nein | € 1.300 |
| Dacian Ciolos (RO) | Landwirtschaft | nein | ja | nein | nein |
| Günther Oettinger (D) | Energie | ja | ja | nein | € 510.0003) |
| Janez Potocnik (SLO) | Umwelt | ja | ja | nein | € 173.000 |
| Janusz Lewandowski (PL) | Finanzplanung/ Haushalt | ja (3) | nein | ja | € 75.000 |
| Johannes Hahn (A) | Regionalpolitik | ja | ja2) | nein | € 387.000 |
| Joaquín Almunia € | Vizepräsident, Wettbewerb | ja (4) | nein | nein | € 87.774 |
| John Dalli (M) | Gesundheit & Verbraucherschutz | ja | ja (2) | ja | nein |
| José Manuel Barroso (P) | Präsident | ja (2) | nein | ja | nein |
| Karel De Gucht (B) | Handel | ja | nein | ja | € 480.000 |
| Kristalina Georgiewa (BG) | Humanitäre Hilfe & Krisenschutz | ja (2) | ja | nein | € 75.000 |
| László Andor (H) | Beschäftigung, Soziales | ja | ja (2) | nein | nein |
| Máire Geoghegan-Quinn (IRL) | Forschung/Innovation | ja | ja (3) | nein | nein |
| Maria Damanaki (GR) | Fischerei | nein | ja (2) | ja | nein |
| Maroš Šefcovic (SK) | Vizepräsident, Inst. Beziehungen & Verwaltung | ja (2) | nein | nein | nein |
| Michel Barnier (F) | Binnenmarkt | ja | ja | nein | nein |
| Neelie Kroes (NL) | Vizepräsidentin, Digitale Agenda | nein | ja | nein | € 1.100.000 |
| Olli Rehn (FIN) | Wirtschaft & Währung | ja (2) | ja | nein | € 5.000 |
| Siim Kallas (EST) | Vizepräsident, Verkehr | nein | ja (2) | nein | nein |
| Štefan Füle (CZ) | Erweiterung & europ. Nachbarschaftspolitik | nein | nein | nein | nein |
| Viviane Reding (L) | Vizepräsidentin, Justiz und Grundrechte | ja | ja (?) | nein | nein |
Quelle: Europäische Union, Declaration of Interests
1) Marktwert zum Zeitpunkt der Offenlegung
2) Hausanteile
3) Firmenanteile


















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