Donnerstag 20. Juni 2013, 04:59

Umwelt & Agrar


Antibiotikaresistenz von Krankheitserregern - 25 000 Todesfälle pro Jahr

Etwa 25 000 Todesfälle sind in der EU pro Jahr durch Infektionen, welche bei Patienten durch arzneimittelresistente Bakterien ausgelöst werden, zu beklagen. Mit mehr als 1,5 Milliarden EUR an Kosten für das Gesundheitswesen und diedadurch verursachten Produktivitätseinbußen ist die Antibiotikaresistenz zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsproblem in der EU geworden. Anlässlich des morgen stattfindenden Europäischen Tags der Sensibilisierung für Antibiotikaresistenz hat die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Abwehr der Antibiotikaresistenz vorgelegt, der zwölf konkrete Maßnahmen enthält, die in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten getroffen werden sollen.

Es ist fünf vor zwölf

Injektionsspritze
Injektionsspritze
Bild: CC-BY 3.0
Der für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar, John Dalli, sagte: „Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht die Möglichkeit verlieren wollen, bakterielle Infektionen bei Mensch und Tier mit Antibiotika zu behandeln. Die für die nächsten fünf Jahre geplanten zwölf konkreten Maßnahmen, die wir heute präsentieren, könnten dazu beitragen, die weitere Ausbreitung der Antibiotikaresistenz zu verhindern und neue antibiotische Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Wenn dies erfolgreich sein soll, brauchen wir gemeinsame Anstrengungen seitens der EU, der Mitgliedstaaten, der Beschäftigten des Gesundheitswesens, der Industrie, der Landwirte und vieler anderer.

Die für Forschung und Innovation zuständige EU-Kommissarin, MáireGeoghegan Quinn, fügte hinzu: „Wenn wir den arzneimittelresistenten Bakterien und anderen Krankheitserregern einen Schritt voraus bleiben wollen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die nächste Antibiotikageneration entwickeln. Investitionen in Forschung und Innovation bedeuten die bestmögliche Versorgung der Patienten, und die Kommission arbeitet gemeinsam mit der Industrie und den EU-Mitgliedstaaten daran, diesen Investitionen Priorität einzuräumen. Dieses Engagement wird im Rahmen unseres künftigen Programms für Forschung und Innovation, Horizon 2020, fortgesetzt.“

Steigende Resistenz

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat heute Daten über Antibiotikaresistenz aus der gesamten EU veröffentlicht, denen zufolge die Resistenz gegenüber den als letztes Mittel eingesetzten Antibiotika in Europa steigt. So nimmt beispielsweise EU-weit die Resistenz von Krankheitserregern zu, die in Krankenhäusern häufig Lungenentzündung und Harnwegsinfektionen verursachen (Krankenhauskeime); dies ist nun in mehreren Ländern nachgewiesen.

Was steckt dahinter?

Antibiotika sind antimikrobiellen Mitteln, die auch als Desinfektionsmittel, Antiseptika und andere Hygieneprodukte Verwendung finden. Diese haben die Gefahren von bakteriell hervorgerufenen Infektionskrankheiten enorm verringert. Antibiotika sind unverzichtbar in der Medizin und werden in einem weiten Spektrum benötigt.

Im Laufe der Jahre sind, unterstützt durch übermäßigen Einsatz,einige Bakterien gegen Antibiotika resistent geworden. Diese Resistenz äußert sich z.B. in im Krankenhaus erworbenen Infektionen, Atemwegsinfektionen, Meningitis, Diarrhoe und sexuell übertragbaren Infektionen.

Als die schwerwiegende Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch die Antibiotikaresistenz in den 1990er Jahren erkannt wurde, hat die Kommission verschiedene bereichsübergreifende Initiativen und Maßnahmen eingeleitet. Der heute vorgelegte Aktionsplan ist der jüngste Maßnahmenkatalog, wie der Antibiotikaresistenz beizukommen wäre.

Wichtigste Maßnahmen

Der Aktionsplan gliedert sich in sieben Bereiche, in denen die Maßnahmen am dringendsten sind :

-Sicherstellung, dass Antibiotika sowohl beim Menschen als auch beim Tier angemessen eingesetzt werden,
-Prävention bakterieller Infektionen und ihrer Ausbreitung,
-Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika oder Behandlungsalternativen,
-Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zur Eindämmung der Risiken der Antibiotikaresistenz,
-Verbesserung von Monitoring und Überwachung in der Human- und der Veterinärmedizin,
-Forschung und Innovation,-Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und Schulung.

Der Vorschlag enthält außerdem 12 konkrete Maßnahmen, die auf Folgendes abzielen:

-Verstärkung der Sensibilisierung für den angemessenen Antibiotikaeinsatz,
-Verschärfung der EU-Rechtsvorschriften für Tierarzneimittel und Fütterungsarzneimittel,
-Einführung von Empfehlungen zum umsichtigen Antibiotikaeinsatz in der Veterinärmedizin, einschließlich Kontrollberichte,
-Stärkung der Infektionsprävention und -kontrolle in Krankenhäusern und anderen stationären Einrichtungen,
-Einführung von Rechtsinstrumenten zur Verstärkung von Infektionsprävention und -kontrolle bei Tieren im Rahmen des neuen EU-Tiergesundheitsrechts,
-Förderung neuartiger Zusammenarbeit, um neue Antibiotika zum Patienten zu bringen,
-Förderung der Bemühungen zur Bedarfsanalyse für neue Antibiotika in der Veterinärmedizin,
-Entwicklung und/oder Verstärkung multilateraler und bilateraler Verpflichtungen zur Prävention und Eindämmung der Antibiotikaresistenz,
-Verstärkung der Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz und Antibiotikaverbrauch in der Humanmedizin,
-Verstärkung der Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz und Antibiotikaverbrauch in der Veterinärmedizin,
-Verstärkung und Koordinierung der Forschung,
-Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Antibiotikaresistenz.

 


 




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