Ansichten der EU-Bürger zu Mehrsprachigkeit: Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität
Fast 9 von 10 EU-Bürgerinnen und -Bürgern halten die Fähigkeit, Fremdsprachen zu sprechen, für sehr nützlich und 98 % sagen, die Beherrschung von Fremdsprachen sei gut für die Zukunft ihrer Kinder.

Bild: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de
Eine getrennte Studie der Europäischen Kommission, die erste europäische Erhebung zur Sprachenkompetenz, verdeutlicht jedoch die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität, wenn es in der Praxis um Fremdsprachenkenntnisse geht: Tests bei Schülerinnen und Schülern im Teenageralter in 14 europäischen Ländern zeigen, dass nur 42 % ihre erste Fremdsprache wirklich beherrschen, bei der zweiten Fremdsprache sind dies nur 25 %. Ein signifikanter Anteil, nämlich 14 % bei der ersten Fremdsprache und 20 % bei der zweiten, erreicht nicht einmal das Niveau „Grundkenntnisse“.
Mehrsprachigkeit und Sprachenerwerb
Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, kommentierte: „Dieses Eurobarometer zeigt, dass Mehrsprachigkeit und Sprachenerwerb den Menschen sehr wichtig sind, worüber wir uns freuen sollten. Allerdings müssen wir auch mehr dafür tun, das Lehren und Lernen von Fremdsprachen zu verbessern. Die Fähigkeit, in einer fremden Sprache zu kommunizieren, erweitert den Horizont und öffnet Türen; sie verbessert die Beschäftigungsfähigkeit und öffnet Unternehmen mehr Chancen auf dem Binnenmarkt.“
Zehn Jahre, nachdem die Staats- und Regierungschefs 2002 in Barcelona erklärt hatten, dass mindestens zwei Fremdsprachen ab einem sehr frühen Alter unterrichtet werden sollten, sind den Menschen in Europa die Vorteile der Mehrsprachigkeit weitgehend bewusst. Fast drei Viertel (72 %) sind mit dieser Zielsetzung einverstanden und 77 % sind der Meinung, sie sollte politische Priorität genießen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Europa (53 %) verwenden Fremdsprachen am Arbeitsplatz und 45 % meinen, sie haben dank ihrer Fremdsprachenkenntnisse eine bessere Arbeitsstelle in ihrem eigenen Land bekommen.
Der Anteil der Menschen in Europa, die angeben, in einer Fremdsprache kommunizieren zu können, ist jedoch leicht von 56 % auf 54 % zurückgegangen. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass Russisch und Deutsch nicht mehr als Pflichtfächer auf den Lehrplänen in den Ländern Mittel- und Osteuropas stehen.
Passive Lese- und Hörverständnisfähigkeiten in Fremdsprachen erweitern
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer ersten Fremdsprache wirklich sattelfest sind, liegt zwischen 82 % in Malta und Schweden (wo Englisch die erste Fremdsprache ist) und nur 14 % in Frankreich (Englisch) und 9 % in England (Französisch). Eine der auffälligsten Änderungen seit 2005 liegt darin, dass die Menschen durch das Internet angeregt wurden, ihrer passiven Lese- und Hörverständnisfähigkeiten in Fremdsprachen zu erweitern. Die Anzahl der Europäerinnen und Europäer, die regelmäßig im Internet Fremdsprachen verwenden, beispielsweise über soziale Medien, ist um 10 Prozentpunkte von 26 % auf 36 % gestiegen.
Die nächsten Schritte
Die Europäische Kommission möchte das Sprachenlernen durch das neue Programm „Erasmus für alle“ noch stärker fördern. Der Fremdsprachenerwerb ist eines der sechs Einzelziele des Programms und die Kommission beabsichtigt, mehr Mittel für Sprachkurse für Menschen bereitzustellen, die im Ausland studieren, sich aus- und weiterbilden oder Freiwilligendienst leisten möchten. Die Kommission wird bis Ende 2012 eine europäische Benchmark für Sprachkompetenz vorschlagen, an der die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Verbesserung des Lehrens und Lernens von Fremdsprachen gemessen werden können.
Die Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage über die Menschen in Europa und ihre Sprachen sowie der europäischen Erhebung zur Sprachenkompetenz werden auf einer internationalen Konferenz in Limassol (Zypern) erörtert, die zeitgleich mit dem nächsten Europäischen Tag der Sprachen am 26. September stattfindet.


















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