Donnerstag 23. Mai 2013, 11:16

Global


Amerika im Aftershock

Präsident Barack Obama verliert die Unterstützung bei vielen Wählern - nicht bei den Wechselwählern, wie es sie in Europa gibt, sondern bei den Nichtwählern, die bei der letzten Wahl trotzdem für Obama stimmten. Die Stimmung im Volk ist von Ablehnung und Wut über das Kinderspiel um den „Schulden Deal“ geprägt. Wer dringend nötige Reformen in den nächsten Jahren durchsetzen wird, steht in den Sternen.

Barack Obama
Barack Obama
Bild: EU-Infothek
Eine Umfrage der Quinnipiac University ergab: Obama verdient keine zweite Amtszeit. Das theaterreife Gerangel um relativ kleine Änderungen im Haushalt hat das Vertrauen in das gesamte politische System massiv beeinträchtigt. Die Amerikaner auf der Straße fragen sich wie es weiter geht, wer die anstehenden, unpopulären Problemfelder löst.

Fünfzig Prozent der Amerikaner haben die Budgetsanierungsversuche als wichtig angesehen und dem zugestimmt, zwei Prozent waren sehr positiv eingestellt und achtzehn Prozent waren wütend über das Procedere.

61 Prozent haben das „Kinderspiel“ – wie es in den USA nun genannt wird – abgelehnt. In der Zukunft werden sich die sicherlich massiven Auswirkungen zeigen.

Politiker mit Problemlösungskompetenz gefragt

Bis jetzt sind keine wirklich profilierten Politiker in Sicht, die mit Wissen und Auftreten Paroli bieten könnten. Eines ist allerdings klar: Das Haushaltsbudget kann nur durch Steuererhöhungen saniert werden, besonders bei den Wohlhabenderen und den Reichen. Sollten die Republikaner die Wahl gewinnen, wie verkaufen sie danach ihren Wählern diese Erhöhungen, die sie nun kategorisch ablehnen? Besonders die einflussreiche Tea Party steuert damit in Schwierigkeiten.

Es stellt sich immer mehr heraus, dass die Wirtschaftskrise hausgemacht ist. Die amerikanische Bevölkerung ist enttäuscht, dass fast alle wichtigen Produktionen aus Profit- und Kostengründen in asiatische Länder ausgelagert wurden und die eigenen Leute immer weniger Arbeit haben. Fast alles, was man kauft, ist „Made in China“. Dieses immer stärker wachsende Problem wird von den Politikern zu lösen sein. Protektionistische Maßnahmen, wie hohe Einfuhrzölle und Beschränkungen, die die Wirtschaft stärken sollen, wirken sich jedoch global aus - mit unvorhersehbaren politischen Folgen.

Verlust des Technologievorsprungs als Zeichen der Zeit

Die Abtretung des technologischen Vorsprungs führt mittlerweile zu großem Unmut in allen Teilen der Bevölkerung. So wusste man schon vor zehn Jahren, dass das Space Shuttle technisch gesehen ein Auslaufmodell sein wird, trotzdem hat man nicht früh genug mit der Entwicklung alternativer Lösungen reagiert. Nun müssen die Amerikaner teuer im ehemals als Feind angesehenen Russland Ware und Menschen ins All transportieren lassen. Viele Amerikaner empfinden das als Schande. Gerade in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten ist nicht leicht verständlich pro Astronaut 50 Millionen Dollar zu bezahlen sowie die Güter die zu transportieren sind. Wer das Weltall verliert, verliert die Position als Weltmacht. Man ist davon überzeugt, dass China es den Amerikanern in den nächsten Jahren vorzeigen wird.

Reformbedarf auf allen Ebenen

Viele Bereiche bedürfen dringender Reformen. Das Gesundheitswesen mit allen Auswirkungen, Handels- und Importprobleme, Verteidigung, Nahverkehr, Hochgeschwindigkeitszüge, die die wichtigsten Städte verbinden, Bildung und Schulsystem müssen reformiert werden, um im internationalen Wettbewerb standhalten zu können, und vieles andere mehr.

Reformen, die einschneidende Veränderungen, bringen sind unvermeidbar. Auch wenn die Amerikaner als Folge der Pionierjahre im Vergleich zu Europäern viel flexibler und schneller in der Anpassung an neue Situationen sind, wird es die Aufgabe des Präsidenten in den nächsten Jahren sein, diese zu verwirklichen und das ist mit Sicherheit keine leichte Sache.

 Helmut Heiss, USA Korrespondent


>>Umfrage Quinnipiag University


 




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