Algensprit aus EU-Geld
Auf der ewigen Suche nach geeignetem Ersatz für fossile Brennstoffe spekuliert Brüssel jetzt auf Algensprit. In nur 15 Jahren soll die Marktfähigkeit erreicht sein, versichert die Mabfuel Forschungsgruppe in Bantry/Irland. Brüssel ist mit 1,43 Millionen Euro aus dem Marie Curie Programm dabei.

Bild: disfruten/flickr.com
Algen als Rohstoff für Industrie
Sprit gewinnen, CO2 abbauen: Algen gelten als idealer Rohstoff zur Gewinnung von Biosprit. Dabei binden sie CO2, welches gleichermaßen als Lebensgrundlage fungiert. So wundert es nicht, dass visionäre Forscher bereits heute ein Nebeneinander von Bioreaktoren und Industrieanlagen, die fossile Brennstoffe verfeuern, beschwören: Das CO2 aus dem Rauchgas könnte ohne weiteres gebunden werden. Damit wäre das spürbar kränkelnde CCS ziemlich aus dem Rennen. Wozu CO2 unter enormen Druck verpressen, wenn es anderswo ohnehin sinnvoll genutzt werden kann. Und das wiederum erhöht die Chancen von Algensprit gewaltig. Die Technik ist ausgereift und wird die globale Energiepolitik maßgeblich beeinflussen, so das überzeugende Credo aus Expertenkreisen.
Sprit aus dem Bioreaktor
Algen als rasch wachsender Rohstoff für Bioenergie stehen in keinerlei Konkurrenz zu Nahrungsmitteln und gelten zudem als ziemlich vielseitig, was den weiteren Verarbeitungszyklus betrifft. Lebensmittelkonzerne interessieren sich für die entstehenden Omega3-Fettsäuren, die Pharmaindustrie wittert ebenfalls gute Geschäfte. Mittlerweile sind es weit über 200 Unternehmen, die auf diesem Segment aktiv sind. Sprit aus Algen hat zudem bereits unzählige Konzerne und private Investoren auf den Plan gerufen, um geeignete Rezepte für leistungsfähige Bioreaktoren zu finden und noch rechtzeitig auf den abfahrenden Zug aufzuspringen.
Algen als Hoffnungsträger
Ein von der EU finanziertes Forscherteam geht davon aus, dass Algensprit in 15 Jahren realisierbar ist. Die MABFUEL Forschungsgruppe von Daithi O'Mhurchu Marine Research Station (DOMRS) in Bantry (Irland) ist eine Forschungskooperation aus Industrie und Hochschulen. Das interdisziplinäre Team ist auf Biokraftstoffe, Ölanalysen und Aquakulturen spezialisiert. An diesem Projekt nehmen 21 Forscher aus dem Vereinten Königreich, Irland, Portugal, der Türkei und Indien teil. Zwei Algenarten gelten dabei als besonders viel versprechend. Der hohe Ölgehalt und die enormen Wachstumsraten im Vergleich zu Landpflanzen geben berechtigten Grund zu der Hoffnung, Algensprit in Europa produzieren zu können. Die Ergiebigkeit soll das 30-fache gegenüber Raps ausmachen. Mit dem visionären Projekt sollen zudem die CO2-Emissionen spürbar reduziert werden.
Synergie aus Forschung und Industrie
Energie aus Algen ist auch in Deutschland ein wichtiges Forschungsthema. EnAlgae als Projekt zur Erforschung und Markteinführung von Energie aus Algen in Nordwesteuropa beschäftigt sich ausschließlich mit Algenkultivierung und der Erzeugung regenerativer Bioenergie, einmal mehr geht es um die nachhaltige Reduktion von Treibhausgasen. Das dichte Netz an Forschungsinstituten ist für Synergien geradezu prädestiniert. Dank effizienter Koordination unterschiedlicher Lösungsansätze lassen sich Doppelgleisigkeit vermeiden und Synergien im Sinne der Nachhaltigkeit konstruieren. Das wiederum stärkt den Wirtschaftsstandort Europa. EnAlgae unterliegt dem INTERREG IVB Nordwesteuropa (NWE) Forschungsprogramm, welches bis 2015 läuft.
Algentuning in Bruck an der Leitha
Und während unsere Nachbarn fleißig forschen, geht es in Österreich bereits mutig zur Tat. In wenigen Tagen ist es so weit: Ecoduna, ein österreichischer Technologie-Start-up eröffnet die weltweit größte Algenzuchtanlage ihrer Art. „Hanging gardens“ für Mikrooalgen sind nach Angaben der Betreiber des Rätsels Lösung. Dank revolutionärer Technologie wird die Produktion hochwertiger Öle ebenso realisierbar wie die Gewinnung von Biotreibstoffen, einmal mehr ist ein österreichisches Unternehmen Vorreiter bei der Kommerzialisierung innovativer Ideen. Dabei ermöglichen senkrechte Module eine Produktionsmenge von 15 Tonnen Biomasse. Die Algen legen dabei 42 km in nur wenigen Tagen zurück, bis sie reif für die Ernte sind und weiter verarbeitet werden können. Gemeinsam mit internationalen Partnern soll die Technologie rund um die Algen weiter entwickelt werden. Angesichts der 400.000 Algensorten, von denen unzählige noch so gut wie überhaupt nicht erforscht sind, wartet ein ordentliches Pensum auf die Spezialisten.


















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