Donnerstag 20. Juni 2013, 12:57

Gesundheit


Ärzte und Hersteller sehen Sortimentsbereinigung bei Naturheilmitteln gelassen

Während etliche Konsumenten das durch höhere Kosten bei der Zulassung bedingte Aus für viele pflanzliche Arzneimittel am heimischen Markt kritisieren, gibt es für Hersteller und Ärzte auch positive Auswirkungen der neuen gesetzlichen Vorschriften.

Arzneitropfen
Arzneitropfen
Bild: Rainer Sturm / aboutpixel.de
„Für Konsumenten bringt die Neuregelung mehr Qualitätssicherheit. Neue Pflanzen-Präparate müssen jetzt besser dokumentiert werden“, sagt Hanno Rhomberg von der Gebro Pharma GmbH mit Sitz im Tiroler Fieberbrunn, die unter der Marke Alpinamed diverse pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel vertreibt. Für die Hersteller von Naturheilmitteln bedeute dies aber höhere Kosten bei Entwicklung, Zulassung und Produktion. Nach Ansicht von Rhomberg führt die EU-Richtlinie 2004/24/EG, deren siebenjährige Übergangsfrist am 30. April zu Ende gegangen war, zu einer Sortimentsbereinigung. Einige ältere Präparate würden nicht mehr vertrieben, andere haben eine Vollzulassung als Arzneimittel erhalten. Eine weitere Gruppe werde künftig als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden. „Alpinamed erfüllt mit allen Produkten alle erforderlichen EU-Richtlinien. Es gibt somit bei uns keine unmittelbare Sortimentsänderung“, betont der Marketing-Direktor.
 

Naturheilmittel werden zumeist nicht vom Arzt empfohlen

Auch nach Ansicht von Claudia Westreicher, Referentin für Komplementärmedizin in der Ärztekammer OÖ, zielt die EU-Richtlinie für pflanzliche Arzneistoffe darauf ab, die Einwohner Europas zu schützen. So soll vor allem die Qualität der Produkte sichergestellt sein, sowohl von der Produktion her als auch in der Stabilität der Dosierungen. Grundsätzlich sieht die Medizinerin kein Problem darin, wenn durch strengere Zulassungskriterien das eine oder andere jetzt am Markt befindliche Produkt aus dem definierten Arzneimittelsektor genommen wird.

Für Westreicher besteht das Problem bei vielen Naturheilmitteln darin, dass sie in erster Linie nicht vom Arzt eingesetzt werden, sondern von diversen anderen Berufsgruppen empfohlen werden – angefangen vom Masseur über den Energetiker bis hin zum Apotheker. „Insoferne wird es möglicherweise für die Produzenten zu einer Verkleinerung des lukrativen Marktes kommen, andererseits schadet es mit Sicherheit nicht, wenn am pflanzlichen Arzneimittelsektor wieder mehr geforscht wird, damit mehr Daten für die Zulassung vorliegen“, erläutert die Ärztin mit Praxis in Vorchdorf.

Kritisch betrachtet werden sollte laut Westreicher auch der Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Denn deren Einnahme sei bei richtiger Ernährung eigentlich nicht notwendig.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zum Thema: Teure Zulassungsverfahren bedeuten Aus für viele Naturheilmittel

 


 




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