Mittwoch, 21. August 2019
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AK-Studie: Verdienen Manager das 49fache der Österreicher?

Und ewig grüßt das Murmeltier. Jedes Jahr auf´s Neue bemüht der Manager-Vergleich der Arbeiterkammer in wissenschaftlich fragwürdige Vergleiche, um die Ungerechtigkeit des „System“ zu beweisen. Im Endeffekt beweisen sie die Unfähigkeit heimischer Medien, die Mächtigen zu kontrollieren.

[[image1]]„Ausufernde Managergehälter deckeln![1]“, titelt die AK Wien 2013. Zu diesem Schluss kommt die AK, weil sie die Jahresbezüge der 78 Top-Manager der 20 größten (im ATX gelisteten) Konzerne (von durchschnittlich 1,4 Mio. Euro) mit den Durchschnittsgehältern von 3.627.300 Österreichern (27.800 Euro) vergleicht und damit auf ein Verhältnis von 1:49 kommt.

Wissenschaftlich unhaltbar

Wer schon einmal wissenschaftlich gearbeitet hat, der weiß, dass man statische Ausreißer nach oben wie nach unten von jeder untersuchten Stichprobe ausscheiden muss, um das Ergebnis nicht zu verzerren. Es sei denn, man wünscht genau dieses.

Anif ist eine nette, kleine Gemeinde im Süden der Stadt Salzburg. Dort lebt auch Eliette von Karajan, sie wird auf 400 Millionen Euro geschätzt[2]. Wollte man das Durchschnittsvermögen der 4.021 Anifer berechnen, würde alleine das Karajan-Erbe jeden Einwohner statistisch um 100.000 Euro reicher machen – selbst wenn dieser drei Jahre alt wäre und in einer Sozialwohnung leben würde. Darum scheidet man solch Fälle aus.

Huub Stevens: Das 63fache des Österreichers

Wenn Österreichs 78 Top-Manager 1,4 Millionen verdienen, dann ist das „ausufernd“, gierig und kapitalistisch. Es ist dies nicht, wenn Fußball-Trainer wie Huub Stevens mit 1,8 Millionen es tun – immerhin das 63fache des österreichischen Durchschnittslohnes. Gonzalo Zarate soll 1,2 Millionen Euro brutto im Jahr abgecasht haben, Steffen Hofmann eine Million Euro[3].

Will man die Ungerechtigkeit eines Systems künstlich herbeirechnen, braucht man aus einer Millionenzahl bloß ein paar Ausreißer herauspicken und sie in Relation zu ebendiesen setzen. Genauso gut könnte man aus 3,6 Millionen Angestellten auch ein paar Dutzend Top-Pfuscher herauspicken und damit die Ungerechtigkeit des Sozialstaates beweisen.

Oder die Ungleichverteilung der 3000er-Gipfel in Österreich beklagen: Immerhin haben Tiroler hier 640mal so viel wie etwa Oberösterreicher.

AK: Vergleich von Äpfeln und Birnen

Einen weiteren Verzicht auf wissenschaftliche Standards stellt auch der Vergleich von 78 (größtenteils) „Industrie“-Managern mit einem nebulosen „österreichischen Durchschnittsgehalt“ von 27.800 Brutto, welches vor allem aus niedrigen Dienstleistungs- und Handwerkerlöhnen besteht.

Beispiel: Der Vorstand des AMAG-Konzernes verdiente 2012 etwa 706.000 Euro brutto im Jahr. Ein AMAG-Mitarbeiter verdiente 52.000 Euro – und nicht 27.800, wie von der AK angeführt. Damit verdient der AMAG-Manager das 14fache eines Angestellten. Und nicht das 49fache, wie suggeriert wird.

Österreichs Angestellte arbeiten vor allem in kleinen Dienstleistungsbetrieben. Dort arbeitet man zwar garne, ist aber weniger produktiv als in der Industrie – es können weder Maschinen noch Fachleute eingesetzt werden. So fällt für Mitarbeiter dann auch weniger ab.

So „produziert“ ein Gastronomie-Beschäftigter 49.000 Euro Umsatz (nicht Lohn!), ein Beschäftigter in der Metallverarbeitung aber 469.000 – beinahe das Zehnfache[4]. Bei 49.000 Euro Umsatz muss der Kellner froh sein, wenn ihm überhaupt 27.500 Euro Brutto übrig bleiben[5]. Die Aluminium-Verarbeitung in Ranshofen produziert riesige Volumen in großen Anlagen, Industrieangestellten bleibt hier fast doppelt so viel wie Kollegen im Restaurant.

Verantwortung für Demokratie

Mit dem politisch inszenierten „Gerechtigkeits-Defizit“ unterstützt die AK schon seit vielen Jahrzehnten ihr nahe stehende, „gerechte“ Parteien. Seit 10 Jahren haben die Angriffe aber eine andere Dynamik gekommen: „Das System muss weg“, meinte der scheidende Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Und auch sein Nachfolger Rudolf Kaske wurde mit Bürgerkriegs-Getöse („…dann wird Österreich brennen!“) berühmt.

Wer den Bürgern über die Jahrzehnte hinweg weismacht, dass „alles immer schlechter und ungerechter“ werde, die Armut wachse (obwohl sie sinkt) und dass sich eine kleine Minderheit (auf Kosten der Mehrheit) immer unverschämter bereichere, der sollte sich mit der jüngeren Geschichte befassen. Denn die Destabilisierung eines Systems kann es tatsächlich kollabieren lassen – gerade das hat vor 90 Jahren aber in die Katastrophe geführt.

 

Bild: Uwe Steinbrich/www.pixelio.de


[2] „Die Liste der reichsten Österreicher“, Auf: www.oe24.at, 29.7.2009

[3] http://sport.oe24.at, 28.8.2010

[4] Statistik Austria, „Leistungs- und Strukturanalyse“ 2011

[5] Immerhin müssen von 49.000 Euro auch noch Waren für durchschnittlich 10.000 Euro gekauft werden und ein Lokal gepachtet und beworben werden.

 

Über HÖRL, MMag. Michael

HÖRL, MMag. Michael
EU-Infothek-Kolumne „nEUrotisch MMag. Michael Hörl, Betriebswirt, Wirtschaftspädagoge und Wirtschaftspublizist in Salzburg. Hörl hat Europas erstes "Globalisierungskritik-kritisches" Buch geschrieben: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". Zuletzt erschienen: „Die Armutsindustrie. Wie mit falschen Zahlen Politik gemacht wird“, Wien: Verlag Frank & Frei der Team Stronach Akademie 2017. www.michaelhoerl.at

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